21.2.2026 »Gedenkmarsch« in Lyon
Am 21. Februar 2026 fand in Lyon ein neonazistischer »Gedenkmarsch« für Quentin Deranque statt. Es beteiligten sich über 3000 Personen, zahlreiche Gruppierungen aus dem „identitären“, neofaschistischen und katholisch-fundamentalistischen Spektrum waren vertreten. Der »Rassemblement National« (RN) hatte sich im Vorfeld von der Veranstaltung distanziert, dennoch nahmen einzelne Mitarbeiter teil. Aus Deutschland reisten Aktivisten vom IB- und AfD-nahen »Filmkunstkollektiv« an, die organisatorisch eingebunden waren und den Marsch filmerisch in Szene setzten. Angemeldet wurde der Aufmarsch von der erzkatholischen „Pro-Life“ Aktivistin Aliette Espieux.
Quentin Deranque war am 12. Februar am Rande einer Wahlkampfveranstaltung der Linkspartei »La France Insoumise« (LFI) an den Folgen einer schweren Kopfverletzung verstorben. Dort hatte er als Teil der Sicherheitsstruktur die IB-Frauengruppe »Némésis« begleitet, die die linke Veranstaltung stören wollte. Er bewegte sich im Umfeld katholischer Fundamentalisten und der »Identitären Bewegung« (IB) und war in verschiedenen extrem rechten Gruppierungen organisiert, wie der royalistisch-antisemitischen »l’Action Française«, der nationalistischen »Allobroges Bourgoin« und »Audace Lyon«, die als Nachfolgeorganisation der aufgrund von rassistischer, antisemitischer und anti-linker Gewaltvorfälle verbotenen Gruppierungen »Bastion Social« und »Lyon Populaire« gilt. Im vergangenen Jahr nahm Deranque u. a. an dem militanten Neonazi-Marsch des »Comité du 9 Mai« (C9M) in Paris teil.
Lyon gilt als Hochburg extrem rechter Aktivitäten und Infrastruktur. Die Szene verfügt über verschiedene Treffpunkte und versucht die Stadt zu dominieren. 2018 gründete Marion Maréchal-Le Pen mit der privaten Hochschule »Institut des sciences sociales économiques et politiques« (ISSEP) eine rechte Kaderschmiede. Neonazi-Organisationen wie »Ordre Nouveau« entstanden in Lyon, auch Hooligan-Gruppen aus der rechten Fanszene von »Olympique Lyonnais« sind in Lyon organisiert. In den vergangenen Jahren kam es in der Stadt zu zahlreichen rechten Gewalttaten gegenüber People of Color, Juden und Jüdinnen und Linken.
Anwohner:innen und Antifaschist:innen protestierten an verschiedenen Stellen entlang der Route.